Wednesday, November 5, 2014

Holidays! (Part 2)

Durban

Nach dem Midstay-Camp verbrachte ich zusammen mit Franzi eine Woche in Durban.

Untergebracht waren wir bei einem Couchsurfer (William), der zusammen mit seiner Freundin, Tochter und einem Mitbewohner in einem Vorort von Durban wohnt. Wir fühlten uns dort sofort willkommen und hatten so zudem die Gelegenheit, abseits vom üblichen Tourirummel mehr über Durban und Südafrika zu erfahren.

Auch ein paar andere Volunteers (Laura, Sarah und Tim) waren nach dem Midstay-Camp nach Durban gereist, an einem unserer ersten Tage sind wir alle zusammen zum "Durban Day" gegangen (Bild 1).Dort traten mehr und weniger bekannte lokale Bands auf, unter anderem Mi Casa (http://m.youtube.com/watch?v=BaYV5bkRGIY) und The Parlotones (http://m.youtube.com/watch?v=OPo3KLZ4SpM).

Ein kleines Highlight für mich, dass in keinem Reiseführer stand war ein lokaler Farmers Market, auf dem ich neben einer neuen Chillisauce auch "echte" (sprich nicht pappige) Brötchen und homemade Cheese erstanden habe. Käse gehört definitiv zu den Dingen, die ich in Deutschland nicht unbedingt gebraucht habe,nun aber doch vermisse. Der "Standardkäse" hier ist (wie schon in England) Cheddar - den kann man essen,muss man aber nicht ;)

Ein weiteres kulinarisches Highlight war mein erstes "Bunny Chow" (ausgehöhltes Toastbrot mit Curryfüllung). Dafür hat uns William zu dem Laden gebracht,  der seiner Meinung nach das beste Bunny Chow in Durban macht (Bilder 2 und 3).Vermutlich wie in Berlin die Frage nach dem besten Döner eine sehr subjektive Wertung. Egal, lecker war es auf jeden Fall.

Neben einem kurzen Abstecher zur City Hall (Bild 4) und einem Aussichtspunkt (Bild 5) wollten wir eigentlich noch das Stadion besuchen, mussten das allerdings aufgrund des zu windigen Wetters ausfallen lassen.

Dafür waren wir aber im "Temple of Understanding", dem größten Hare Krishna-Tempel in der "southern hemisphere"  und in der Juma Mosque, der größten Moschee der "southern hemisphere".

Auch wenn beide Besuche interessant waren, hat mich der Hare Krishna-Tempel mehr beeindruckt. Dort hat sich jemand für uns sehr viel Zeit genommen, uns ausführlich über die Grundlagen von Hare Krishna informiert, uns den Tempel gezeigt und uns Literatur mitgegeben. Danach waren wir dann noch im vegetarischen  Restaurant (superlecker und supergünstig) des Tempels essen.

Abgesehen davon waren wir mehrfach am Strand- einmal bei einem morgentlichen Beach-Workout, nach dem man sofort ins Meer springen konnte- großartig!

Auch wenn ich Cape Town liebe, wenn ich ehrlich bin fand ich Durban noch toller. Das Wetter ist besser, das Meer wärmer (schwimmen!) und an jeder Ecke gibt es günstiges und superleckeres indisches Essen. Auch die Atmosphäre war irgendwie entspannter,lockerer. Selbst an den touristischsten Ecken fühlte ich mich weniger bedrängt...allerdings muss man fairerweise auch zugeben,dass ich in Durban nur für wenige Tage war, während ich Cape Town nach fast neun Monaten sicherlich einen viel tieferen Einblick gewinnen konnte.

Und sonst so?

Im Kinderheim sind wir mittlerweile um die 40 Volunteers- davon 3/4 aus Deutschland, die angebliche "international crowd" ist also nur sehr bedingt vorhanden. Auch wenn ich mich damit inzwischen abgefunden habe, frage ich mich trotz allem ob dieses Projekt (in seiner jetzigen Form) tatsächlich den "Perspektivwechsel" und "Kulturaustausch" bringt, der bei Weltwärts eigentlich gewünscht ist.

Die erste Weihnachtsfeier im Kinderheim ist vorbei- sie fand so früh statt, damit alle Kinder zusammen feiern können, denn die meisten werden nächste Woche zu Beginn der Ferien zu ihren Familien gehen. Es wird also bald viel viel ruhiger werden. Ich freue mich natürlich für die Kinder, die im Gegensatz zu mir Weihnachten mit ihrer Familie verbringen können,  trotzdem bleibt ein Wermutstropfen: einen großen Teil meiner letzten Wochen werden viele von den Kindern, die ich in den letzten Monaten ins Herz geschlossen habe nicht da sein.

Geschenkt bekommen haben die Kinder übrigens vorwiegend Süßigkeiten und kool drink (Coca Cola & Co) (mit Bastelzeug, Bällen und Klamotten als "Beilage"). Vernichtet wurde das meiste davon in meinem Haus jedoch bereits am ersten Tag-die letzten Reste Abends beim Fernsehgucken nach dem Zähneputzen (...). Ich selbst kann schon nach zwei Tagen, an denen ich immer mal wieder von Kindern Bonbons, Kekse und Schokolade bekommen habe eigentlich nichts Süßes mehr sehen...

Überhaupt,  Weihnachten...

Bin ich in "Weihnachtsstimmung"? Ehrlich gesagt, trotz Weihnachtsdeko in allen Läden (seit Anfang November) und der hin und wieder erklingenden Weihnachtsmusik- absolut nicht. Alles in mir schreit:Hurra, Sommer! Es ist endlich warm, man kann an den Strand, sich sonnen, schwimmen (wenn auch nicht lange,das Wasser ist immer noch freezing cold)... aber wir haben einen Adventskranz in unserer living area stehen und den festen Plan, bald Plätzchen zu backen. Die erste Wichtelrunde ist nächste Woche geplant... und was Weihnachten wird,werden wir sehen, sehr wahrscheinlich muss ich tagsüber arbeiten,aber ich lasse mich überraschen ;)

Midstay-Camp

Nach meiner ersten Ferienwoche machte ich mich zusammen mit Franzi, Lena und Dario von Cape Town aus auf den Weg nach Harrismith in den Drakensbergen- 18 Stunden Busfahrt quer durch Südafrika. Dort fand nach der Hälfte unseres Aufenthalts unser Midstay-Camp statt, organisiert von unserer Entsendeorganisation AFS.

Von der Busfahrt selber war ich positiv überrascht, die Sitze waren bequem (Franzi und ich saßen sogar oben ganz vorne mit extra viel Beinfreiheit), Pausen gab es zu genüge,  Kaffee war umsonst....

In Harrismith selbst ging es dann erst einmal nicht weiter, der angekündigte Transport zum Backpackers ließ auf sich warten, Kaffee ließ sich zunächst nicht auftreiben und wir waren im wahrsten Sinne des Wortes gestrandet.

Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir dann endlich im Backpackers und trafen dort die anderen 5 Südafrika-Freiwilligen und AFS-Mitarbeiter*innen. Es war schön, die anderen nach so langer Zeit wieder zu sehen und sich auszutauschen. Obwohl wir alle in ein und dem selben Land leben,ist unser Umfeld, sind die Menschen die wir treffen und mit denen wir arbeiten und die Herausforderungen die uns bisher begegnet sind äußerst unterschiedlich. Mein Leben hier in Durbanville hat mit dem von Sarah in Soweto vermutlich weniger zu tun als mit so manchem aus Deutschland.

Es war jedoch schön zu sehen, dass alle, selbst die, die am Anfang mit ihrem Projekt gehadert haben (so wie ich ;) )mittlerweile
damit zufrieden sind, sich eingelebt und ihren Platz gefunden haben. Mittlerweile kann ich gar nicht glauben, wie schnelll die Zeit vergeht. Die Kinder (vor allem aus "meinem" Haus) wachsen mir immer mehr ans Herz und ich fühle mich nicht mehr als Außenstehende, sondern als jemand der dazugehört.

In den Drakensbergen waren wir leider nur an einem Tag hiken,aber es war großartig (Bilder 1-3) Besonders stolz war ich darauf dass ich es trotz meiner Höhenangst geschafft habe ziemlich steile Leitern herunterzuklettern (Bild 4)-ich gebe ja die Hoffnung nicht auf, diese Angst irgendwann doch mal zu überwinden :p.

Ansonsten habe ich die Stille genossen, die Sonnenuntergänge (Bild 5), die Gemeinschaft mit den anderen (Bild 6)... es war ein guter Zwischenstopp zum Innehalten und Reflektieren nach sechs Monaten Südafrika.


Friday, August 29, 2014

Holidays! (Part 1)

Nach einem halben Jahr in Südafrika hatte ich das erste mal für längere Zeit Urlaub- erst eine Woche Kapstadt mit Besuch aus Deutschland (Lisa und David), dann eine Woche"Midstay"-Seminar von AFS in den Drakensbergen und am Ende ein paar Tage in Durban mit Franzi.

Auch wenn mich die erste Woche nur in einen anderen Stadtteil von Cape Town geführt hat,  ich habe es in vollen Zügen genossen. Da Lisa und David eine Unterkunft in Observatory gebucht hatten, hatte ich mich auch dort in einem Backpackers einquartiert.

Schon kurz nach meiner Ankunft im Backpackers habe ich das erste mal gemerkt, wie sehr ich mich an manche Dinge schon gewöhnt habe und wie sehr sie für mich zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Nach einem kurzen Rundgang durchs Backpackers habe ich erst einmal nach dem Schlüssel gefragt- Türen permanent auf- und zuschließen ist für mich mittlerweile so normal,dass ich es mir anders gar nicht mehr vorstellen kann. Umso erstaunter war ich,dass dies hier anders war.Abgesehen von einer verschlossenen und von der Rezeption kontrollierten Tür am Eingang waren alle Türen offen. Auch sein Handy konnte man unbeabsichtigt im Raum liegen und laden lassen- verrückt! Im Kinderheim muss ich immer doppelt sichergehen, dass alle Fenster zu und Türen abgeschlossen sind.... am Anfang hat mich das ziemlich verstört, aber mittlerweile denke ich bewusst gar nicht mehr darüber nach.

In meinem halben Jahr in Südafrika habe ich mich eigentlich immer sicher gefühlt- von dummen Kommentare,  Angriffen und Überfällen habe ich zwar gehört, aber selber erlebt nichts. Kaum habe ich Besuch werden wir jedoch vom Minibusfahrer verarscht und nicht mitgenommen und zudem fast überfallen (wir konnten zum Glück schnell wegrennen). Ich frage mich nun natürlich schon, inwieweit ich mir eine gewisse Sicherheit vielleicht nur eingebildet habe, oder ich einfach Glück hatte oder vielleicht auch als Einzelperson einfach nicht jedem sofort als "Touri" ins Auge steche.

Nach dem misslungenem Überfall war es bei mir mit einer gewissen Leichtigkeit zumindest für eine Weile vorbei. Abgelegene Straßen wurden gemieden und Leute die wie aus dem Nichts vor mir auftauchten erschrecken mich mehr als sonst. (Mittlerweile ist allerdings gefühlt alles so wie immer- vor allem hier in Durbanville, das mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit "safer" ist als Kreuzberg)

Auch wenn ich schon ein halbes Jahr hier bin,viele Dinge hatte ich auch noch nicht gesehen und gemacht. So war ich das erste Mal mit der Cable Car auf dem Tafelberg, habe Pinguine in Simons Town gesehen (Bilder 1 und 2), Wale in Hermanus beobachtet (Bild 3). Und bin in Woodstock spazieren gewesen, einem Stadtteil der sich gerade im Umbruch befindet und in dem es viel Streetart zu entdecken gibt (Bilder 4 und 5). Wie Observatory ist dieser Stadtteil eine schöne Abwechslung vom spießigen Durbanville und dem oft erschreckend sauber wirkendem Central Cape Town.

Ich  habe es genossen, mal in einem anderen Stadtteil von Cape Town zu sein- Observatory ist so anders als Durbanville. Der Stadtteil ist bunter,  multikultureller, lebendiger. Es gibt viele Student*innen, Bars, Restaurants, Backpackers..sogar ein "Anarcho-Cafe" mit veganen Muffins. Es war tatsächlich das erste Mal seit meiner Ankunft in Südafrika,  dass ich in einen Laden reingegangen bin und das Gefühl hatte, jetzt könnte ich auch in Kreuzberg sein.

Für die Zeit nach dem Urlaub warten nun eine Broschüre zum Thema "A vegan perspective on anarchism" und das Buch "Anarchism in Africa" darauf gelesen zu werden.

Zum Rest der holidays dann bald mehr!

Thursday, August 14, 2014

Dayshift :)

Zu Beginn meiner Dayshift waren noch Ferien und nur ca. 50 Kinder im Childrens Home.

Los ging es jeden Tag um 9 Uhr, ich konnte mich also langsam an das frühe(re) Aufstehen gewöhnen.

An fast allen Tagen habe ich im Haus der mittleren' Jungs (ca 10-14 Jahre) gearbeitet. Auch wenn ich die meiste Zeit nicht viel zu tun hatte, war ich froh die Gelegenheit zu bekommen, ein paar Kinder besser kennen zu lernen. Außerdem habe ich die Jungs einmal von einer anderen Seite kennen gelernt,weil ich sie nicht nur in der Outdoortime sondern auch bei Mahlzeiten und bei gemeinsamen Aktivitäten erlebt habe. So hat mich ein Junge wirklich überrascht, da ich ihn bisher nur nervend und unhöflich erlebt hatte. Auf einmal habe ich ihn auch mal beim Nicht-Blödsinn-Bauen erlebt. Ich war völlig verblüfft,als er mich irgendwann ansah und meinte: I like you,you make our food.

Das Ende der Ferien war für mich der Beginn meiner Arbeit bei den Stepping Stones (1.-3. Klasse).

Los geht es morgens um 6, ich helfe beim Aufwecken der Kinder und sorge dafur das alle pünklich angezogen und Zähnegeputzt am Tisch sitzen. Nach dem Frühstück räumen die Kinder auf, wir kontrollieren ihre Schulranzen und dann werden sie nach und nach losgeschickt.

Während die Kinder in der Schule sind habe ich Mittagspause. Meist gehe ich währenddessen ins Fitnesstudio, mache Besorgungen und esse.

Um 2 Uhr geht es dann weiter. Die Kids kommen nach und nach aus der Schule, essen Mittag und machen dann Hausaufgaben.

Da die meisten Schulen afrikaanssprachig sind, sind auch die Hausaufgaben auf Afrikaans. In der Regel kann ich die Anleitungen im Aufgabenheft aber verstehen und helfe den Kindern mit einer Mischung aus englisch und afrikaans. Allein Aussprachübungn bereiten Probleme, zu oft verfalle ich noch in die 'niederländische' Aussprachsweise. Dadurch dass die Kinder mir aber fast jeden Tag vorlesen wird auch das immer besser.

Nach den Hausaufgaben spielen die Kinder draußen- zumindest wenn es nicht regnet oder bewölkt ist.

Gegen 5 kommen die Kids wieder ins Haus, alle duschen sich und wechseln in ihre Pyjamas. Danach wird gegessen, aufgeräumt und um halb 7 wird die Soap '7 de Laan' geguckt. Danach gehen die Kinder ins Bett und ich bin off.

'7 de Laan' gucken ist für mich mittlerweile auch schon zum Ritual geworden, zumal die Soap denke ich einen ganz guten Einblick in die südafrikanische Gesellschaft bietet,da verschiedenste Bevölkerungsgruppen dargestellt werden.

Ich bin froh, dass ich jetzt endlich "mein Haus" habe in dem ich arbeite. Es ist schön die Kinder in ihrem Alltag zu begleiten, mit ihnen zu spielen,  zu lernen, zu lachen, sie ins Bett zu bringen und sie dabei immer besser kennen zu lernen.

Ich hoffe sehr, dass ich auch nach meinen Ferien wieder bei den Stepping Stones arbeiten darf.

Und sonst so?

Wir werden endlich wieder internationaler, es sind nun auch Volunteers aus Frankreich, Dänemark und den Niederlanden im Kinderheim.

Es wird wärmer, zumindest tagsüber kann man nun manchmal schon im Top rumlaufen.

Nächste Woche bekomme ich Besuch aus Deutschland und freue mich schon riesig!

Fotos von allen Ausflügen der letzten Wochen folgen bald!

Monday, August 4, 2014

Worldcup in South Africa

Irgendwie habe ich was die WM angeht ein schlechtes Timing- Als sie in Deutschland stattfand war ich in England. Nun ist Deutschland Weltmeister und ich bin in Südafrika.

Auch wenn ich Fahnenmeer und Co nicht im geringsten vermisst habe, ein bisschen Wehmut war schon dabei, als das Finale gewonnen wurde. Andererseits war es auch cool, dass Finale in einem Biergarten zu gucken, der nicht nur mit Deutschland- sondern auch mit vielen Argentinienfans gefüllt war.

Aufgrund der Kälte war der ursprüngliche Plan Glühwein statt Bier zu trinken. Nach dem ersten Glas (Bild 1) bin ich dann aber doch umgestiegen. Südafrikanischer "Glühwein" schmeckt leider wie warm (nicht heiss!) gemachter Rotwein mit Zucker.

Auch wenn ich viele WM-Spiele an den unterschiedlichsten Orten gesehen habe (Bar, Restaurant, Hooters, Shoppingcenter, Vereinsheim vom lokalen Fussballclub) -der Anteil an Fussballfans und WM-Begeistetren war oft sehr gering. Dezentes Desinteresse war vorherrschend.

Dass hat sicherlich zum einen damit zu tun, dass Südafrika nicht für die WM qualifiziert war und zum anderen, dass zumindest in Durbanville und Umgebung Rugby die bevorzugte Sportart ist.

Während der WM musste ich mir des Öfteren anhören, dass Fussball doch ein langweiliger Sport sei und die Spieler viel zu wehleidig. Den Vorschlag alle Fussballspieler einmal aufs Rugbyfeld zu schicken finde ich jedoch durchaus amüsant.

(Nachdem ich mittlerweile immerhin ein par Rugby-Regeln kenne, kann ich zumindest zeitweise erahnen, dass es mehr ist, als nur ein ständiges Ineinanderrennen und Aufeinanderdraufhauen, wirkliche Begeisterung ist jedoch noch nicht aufgekommen. Ich will mir aber auf jeden Fall ein Rugbyspiel im Stadion angucken. Bisher habe ich die meisten Spiele im Fitnesstudio gesehen- und bin dafür recht dankbar, denn als Alternative läuft in der Regel Cricket und wirklich einfach nur einschläfernd. .. )

Während meines Freiwilligendienstes in England war ein spannnder Punkt, dass so viele Freiwillige aus anderen Ländern für "ihr Land" mitgefiebert haben. Hier war neben Deutschland nur England, die Schweiz und Belgien vertreten. Dass hat aber auch dazu geführt,dass man sich Spiele von der Schweiz und Belgien angeguckt hat, die man sonst vielleicht ausgelassen hätte.

Beim Spiel gegen Ghana hatten sich  zwei Volunteers das gesamte Gesicht in Deutschlandfarben geschminkt. Außerdem hatten wir einen Schminkstift in Deutschlandfarben dabei- nachdem eine Südafrikanerin (!) in der Bar damit von Tisch zu Tisch gegangen war, befand sich die Deutschlandflagge auf fast jedem Gesicht (außer meinem). Allerdings muss man sagen, dass viele Gäste sehr oppurtonistisch agierten-im Verlauf des Spieles verschwanden viele Fahnen aus den Gesichtern und die Begeisterung für Ghana stieg..

Insgesamt fand ich es aber schon interessant zu sehen, wie sich viele aus Mangel einer "eigenen" Mannschaft anderen Länderteams zuwandten, bei fast allen Deutschlandspielen sind wir Sudafrikaner*innen mit Deutschlandtrikots und -schals begegnet.

Schön an der WM war auch, dass man Abends etwas zu tun hatte. Es war eine gelungene Abwechslung vom vorherrschenden Filmgucken und Nichtstun. Nun freue ich mich auf die Bundesliga- es gibt auch hier die Gelegenheit, dass ein oder andere Spiele zu sehen und ich werde sie mit Sicherheit nutzen.

Saturday, July 26, 2014

Worldcup in South Africa

Fifa Worldcup

Irgendwie habe ich was die WM angeht ein schlechtes Timing- Als sie in Deutschland stattfand war ich in England-nun ist Deutschland Weltmeister und ich bin in Südafrika.

Auch wenn ich Fahnenmeer und Co nicht im geringsten vermisst habe, ein bisschen Wehmut war schon dabei, als das Finale gewonnen wurde. Andererseits war es auch cool, dass Finale in einem Biergarten zu gucken, der nicht nur mit Deutschland- sondern auch mit vielen Argentinienfans gefüllt war.

Aufgrund der Kälte war der ursprüngliche Plan Glühwein statt Bier zu trinken. Nach dem ersten Glas (Bild 1) bin ich dann aber doch umgestiegen. Südafrikanischer "Glühwein" schmeckt leider wie warm (nicht heiss!) gemachter Rotwein mit Zucker.

Auch wenn ich viele WM-Spiele an den unterschiedlichsten Orten gesehen habe (Bar, Restaurant, Hooters, Shoppingcenter, Vereinsheim vom lokalen Fussballclub) -der Anteil an Fussballfans und WM-Begeistetren war oft sehr gering. Dezentes Desinteresse war vorherrschend.

Dass hat sicherlich zum einen damit zu tun, dass Südafrika nicht für die WM qualifiziert war und zum anderen, dass zumindest in Durbanville und Umgebung Rugby die bevorzugte Sportart ist.

Während der WM musste ich mir des Öfteren anhören, dass Fussball doch ein langweiliger Sport sei und die Spieler viel zu wehleidig. Den Vorschlag alle Fussballspieler einmal aufs Rugbyfeld zu schicken finde ich jedoch durchaus amüsant.

(Nachdem ich mittlerweile immerhin ein par Rugby-Regeln kenne, kann ich zumindest zeitweise erahnen, dass es mehr ist, als nur ein ständiges Ineinanderrennen und Aufeinanderdraufhauen, wirkliche Begeisterung ist jedoch noch nicht aufgekommen. Ich will mir aber auf jeden Fall ein Rugbyspiel im Stadion angucken. Bisher habe ich die meisten Spiele im Fitnesstudio gesehen- und bin dafür recht dankbar, denn als Alternative läuft in der Regel Cricket und wirklich einfach nur einschläfernd. .. )

Während meines Freiwilligendienstes in England war ein spannnder Punkt, dass so viele Freiwillige aus anderen Ländern für "ihr Land" mitgefiebert haben. Hier war neben Deutschland nur England, die Schweiz und Belgien vertreten. Dass hat aber auch dazu geführt,dass man sich Spiele von der Schweiz und Belgien angeguckt hat, die man sonst vielleicht ausgelassen hätte.

Beim Spiel gegen Ghana hatten sich  zwei Volunteers das gesamte Gesicht in Deutschlandfarben geschminkt. Außerdem hatten wir einen Schminkstift in Deutschlandfarben dabei- nachdem eine Südafrikanerin (!) in der Bar damit von Tisch zu Tisch gegangen war, befand sich die Deutschlandflagge auf fast jedem Gesicht (außer meinem). Allerdings muss man sagen, dass viele Gäste sehr oppurtonistisch agierten-im Verlauf des Spieles verschwanden viele Fahnen aus den Gesichtern und die Begeisterung für Ghana stieg..

Insgesamt fand ich es aber schon interessant zu sehen, wie sich viele aus Mangel einer "eigenen" Mannschaft anderen Länderteams zuwandten, bei fast allen Deutschlandspielen sind wir Sudafrikaner*innen mit Deutschlandtrikots und -schals begegnet.

Schön an der WM war auch, dass man Abends etwas zu tun hatte. Es war eine gelungene Abwechslung vom vorherrschenden Filmgucken und Nichtstun. Nun freue ich mich auf die Bundesliga- es gibt auch hier die Gelegenheit, dass ein oder andere Spiele zu sehen und ich werde sie mit Sicherheit nutzen.

Thursday, July 17, 2014

Update again..........

Kirstenbosch Botanical Gardens

Der Kirstenbosch Botanical Garden wurde 1913 eröffnet, befindet sich direkt am Fuße des Tafelberges und beherbergt nur einheimische Pflanzen-was immer noch zu einer riesengroßen vielfältigen Auswahl führt. Es gibt riesige Rasenflächen, die sich ideal zum picknicken eignen, einen ¨Canapoe Walkway¨, bei dem man auf Höhe der Baumkronen entlang läuft, verschiedene Themengärten (vom Aussterben bedrohte Pflanzen, Heilpflanzen, Duftgarten...), einen See, jede Menge Blumen, Bäume, Tiere...der Garten ist selbst jetzt im Winter wunderschön, aber ich werde ihn sicher auch im Sommer noch einmal besuchen. (Bilder 1 und 2)

Sunset at Signal Hill

Nach Kirstenbosch sind wir zum Signal Hill gefahren, um den Sonnenuntergang zu schauen. Von dort hat man einen großartigen Ausblick über Kapstadt und das Meer. Zunächst waren wir etwas enttäuscht, weil viele Wolken vor der Sonne hingen, aber am Ende wurde es noch richtig schön (Bilder 3 und 4).

Winterwetter

Auch wenn das Wetter hier an vielen Tagen an den deutschen Herbst erinnert- die Natur blüht momentan an vielen Stellen voll auf. An sonnigen Tagen kann man durchaus immer noch im T-Shirt herumlaufen. Diese wechseln sich immer wieder ab mit Regentagen und kühlem Wetter. Wenn gutes Wetter und Freizeit zusammenkommen kann man immer noch wunderschöne Strandspaziergänge machen (Bild 5), nur das Meer ist mitlerweile wirklich zu kalt zum hineingehen.

Volunteers-Day

Zur Zeit sind in Südafrika Schulferien und die meisten Kinder nicht im Kinderheim. Für die Dagebliebenen gestalten die Volunteers nun abwechselnd einmal pro Woche einen Tag.

Wir hatten für den Vormittag eine ¨treasur hunt¨ geplant. Die Kinder mussten Orte auf Fotos wiedererkennen, dort eine Aufgabe lösen und dann die nächste Stelle finden. Es hat ziemlich viel Spaß gemacht und sowohl die kleinsten als auch die ältesten Kinder haben mitgemacht.

Am Nachmittag haben wir dann eine Wasserschlacht gemacht- aus Wasserbomben wurden allerdings irgendwann Eimer, dann Bottiche und am Ende waren alle nass und unsere Living Area stand unter Wasser... (positiver Nebeneffekt: endlich wurde mal wieder der Boden gewischt).

Trotzdem war es schön auch mal selber einen Tag zu gestalten und mit den Kindern etwas zu unternehmen, dass geschieht im Prinzip viel zu wenig. Wenn findet es eher im kleinen Kreis statt- während der Toy Library oder wenn Volunteers Kinder mit auf ein Outing nehmen.

Und sonst so?

Das Kinderheim füllt sich langsam wieder mit neuen Volunteers...

WM-Spiele in einem in weiten Teilen wenig fußballbegeisterten Land zu gucken ist einfach nicht das selbe (der Mangel an Fahnen, Wimeln und anderem Unsinn ist allerdings durchaus erfrischend)

Hipster gibt's auch in Südafrika (und die entsprechende Reaktion darauf as well, Bild 6)

Auch wenn ich hier (leider) immer noch die meiste Zeit Deutsch spreche- zumindest was Sprichwörter und Redewendungen angeht setzt langsam Verwirrung ein. Aktuelles Beispiel: "Wie die das durchzieht, da setze ich echt meinen Hut auf." (Wenn mich nicht jemand darauf hingewiesen hätte, mir wäre es nicht aufgefallen)

Letztes Wochenende war ich zum Kurzurlaub mit acht anderen Volunteers in den Cederbergen (ausführlicher Bericht folgt).

Kurzurlaub?

Hört sich das nicht in weiten Teilen ohnehin schon wie Dauerurlaub an?

Zum Teil kam es mir in den letzten Monaten durchaus so vor. Durch die Nightshiften hat man tagsüber frei und kann im Prinzip jeden Tag etwas unternehmen. Für mich war das Ausmaß an Freizeit eine echte Herausforderung,  schließlich bin ich hierher gekommen, um etwas zu tun und nicht um Urlaub zu machen.. (und gehöre auch ansonsten nicht zu den Menschen, die besonders gut im "Nichtstun" sind).

Allerdings ändert sich durch die Dayshift nun einiges, am Sonntag konnte ich das erste Mal nicht mit ins Mzolis, da ich arbeiten musste. Auch ansonsten ist es eine große Umstellung plötzlich wieder pünktlich aufstehen und tagsüber (von 9pm bis 8am) arbeiten zu müssen...

Mehr zur Dayshift dann demnächst!

Genießt den deutschen Sommer! :)

Saturday, June 28, 2014

Train commercials

Werbung wie diese findet sich zumindest in der 1.Klasse nur sporadisch.

Die 3.Klasse hingegen ist zugepflastert mit Aufklebern, die für Abtreibungen,  Penisvergrößerung, Wundermittel für und gegen alles, Love Doctors and usw.werben.

Vor allen Dingen die Abtreibungs-Ads haben es in sich ( painfree,same day  result,15 min,30 min..)... Ganz so als ob das alles kein großes Ding wäre, dass man schnell nebenbei ohne Nebenwirkungen erledigen kann.

Ich habe mich gefragt,ob eventuell neben persönlichen und familiären Gründen für das Nutzen dieser Dienste auch die südafrikanischen Abtreibungsgesetze mit verantwortlich für das offenbar riesige Angebot sind.

Und musste feststellen,  dass die Abtreibungsregeln in Südafrika (insbesondere im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern) sehr liberal sind. So kann bis zur 12. Woche jede Frau unabhängig vom Alter (bei Minderjährigen auch ohne Konsultation der Eltern) in öffentlichen Krankenhäusern kostenfrei eine Abtreibung durchführen lassen. Allerdings führen liberale Regeln bekanntermaßen nicht zwangsläufig zu einer liberalen Einstellung innerhalb der Gesellschaft, mögliche gesellschaftliche Ächtung ist also durchaus ein Problem.

Hinzu kommt ein Mangel an Angebot und Erreichbarkeit von verfügbaren Diensten. Nur in ca.der Hälfte der staatlichen Kliniken werden Abtreibungen durchgeführt, eine längere (und somit teure) Anreise können sich viele Menschen nicht leisten. All das begünstigt wiederrum illegale "Abtreibungskliniken".

Es wird geschätzt, dass ca. 50% aller in Südafrika durchgeführten Abtreibungen illegal sind- die Auswirkungen auf die Gesundheit der Frauen, die diese Dienste in Anspruch nehmen (müssen) sind zum Teil gravierend.

Auch Unwissen darüber, dass Abtreibungen legal sind, spielt eine Rolle. Dies wird auch dadurch begünstigt, dass viele gesellschaftliche Gruppen (darunter auch weite Teile des regierenden ANC) eher Abtreibungs-Gegner als -Befürworter sind.

Hier zwei ausführlicher Artikel zum Thema:

http://allafrica.com/stories/201402131596.html

http://pulitzercenter.org/south-africa-illegal-liberal-abortion-law-access-guarantee-rights-reproductive-health

Friday, June 27, 2014

Dayshift

Vorgestern haben wir endlich den neuen Schichtplan für die nächsten Wochen bekommen. Kaum zu glauben,aber nach fast vier Monaten auf Nightshift werde ich ab nächster Woche Dayshift arbeiten.

Das bedeutet: endlich wieder ein normaler Tag-Nacht-Rhythmus, Schluss mit stundenlang eingemummelt (Bild 1) auf einem Stuhl sitzen und ins Nichts starren (Bild 2).

Es bedeutet aber auch: weniger Zeit, tagsüber ewas zu unternehmen, weniger Zeit zum lesen,schreiben und Filme gucken.

Ich bin gespannt, was mich bei der Dayshift erwarten wird. Erst einmal sind jetzt zwei Wochen Ferien, es wird also alles etwas anders sein als gewöhnlich,  zumal auch viel weniger Kinder da sind ( ca. 2/3 verbringen die Ferien bei Eltern und Verwandten).

Mein Wunsch im Haus der Happy Feet zu arbeiten hat sich zumindest diesen Monat noch nicht erfüllt,  aber ich hoffe, dass sich dies nach den Ferien noch einmal ändert.

Vorerst bin ich einfach froh über ein bisschen Abwechslung und hoffentlich neue Einblicke und Impulse.

(Mehr dazu dann hoffentlich bald an dieser Stelle ;) )

Saturday, June 14, 2014

Update ;)

Ihr Lieben,

es ist schon wieder eine ganze Weile her, dass ich geschrieben habe...aber irgendwie fällt es mir zunehmend schwerer, mich zu motivieren. Die Tage fliegen so dahin und abgesehen von wenigen Ausnahmen ist man in seinem Alltagstrott gefangen...

Hier nun aber trotzdem mal wieder ein Bericht über die Ereignisse der letzten Wochen, ich werde versuchen in Zukunft öfter, aber dafür kürzer zu berichten ;) 

(Durch kaputten Adapter,  krank im Bett rumliegen und nichtfunktionierendem Internet hat sich der Post nochmals verzögert, alles ist also noch viel länger her, aber was solls :p )


Wine-Tasting

In den letzten Wochen bin ich endlich dazu gekommen, einige der zahlreichen Weinfarmen zu besuchen.

Zusammen mit Franzi und Ani war ich bei den Weingütern Uitkyk und  Vergeleden.

Bei der ersten Farm habe ich mein erstes Wine-Tasting gemacht (Bild 1), was ziemlich witzig war, denn die Frau hätte mir totalen Blödsinn über den Wein erzählen können, gemerkt hätte ich es nicht.

Die Hinweise zu den Weinen gab es im übrigen auf Deutsch-am Anfang habe ich mich geärgert, schon wieder Deutsch zu hören,  aber am Ende fand ich es eigentlich ganz cool, denn ich bin mir sicher, ich würde mir nicht die Mühe machen und Deutsch lernen, wenn ich es nicht zufällig schon sprechen würde,- umso faszinierender wenn es andere tun. (Wobei man hier natürlich auch jede Menge Gelegenheit zur Anwendung hat, Deutsche gibt es in Kapstadt wie Sand am Meer).

Die zweite Weinfarm war riesig, neben der üblichen Weintesterei gab es auch verschiedene Gärten, uralte Bäume, eine Bibliothek, Restaurant, Café... (Bild 2, 3 und 4- zusammen mit Franzi).

Zusammen mit ein paar anderen Volunteers war ich  ein paar Tage später beim ¨Delaire Graff Wine Estate¨. Auch das ein riesiges Weingut und um einiges schicker als die bisher besuchten (dafür aber auch mit wunderschöner Aussicht). (Bild 5 + 6)

Hiking up Table Mountain

Letztes Wochenende war ich das erste mal auf dem Tafelberg, zusammen mit anderen Volunteers, einem Couchsurfer und ein paar seiner Freund*innen. Zwar haben wir aufgrund des regnerischen und nebligen Wetters (Bild 7 + 8) keine gute Aussicht genießen können, aber irgendwie hatte das ganze auch so seinen Reiz. Fünf Stunden lang sind wir über Stock und Stein gewandert, sind fast in einen See gelaufen (es war so neblig, dass man den Anfang kaum sehen konnte, Bild 9), haben uns am Ende leicht verirrt, weil der Weg nicht eindeutig (genaugenommen: gar nicht) ausgeschildert war und haben zum Schluss noch einen kurzen Abstecher in den Kirstenbosch Garden gemacht, den ich auf jeden Fall noch mal bei gutem Wetter besuchen will.

Das Kinderheim....

Childcare-Worker

Neben den internationalen Volunteers gibt es in jedem Haus Childcare-Worker, die tagsüber die Kinder betreuen. Das erste was mir aufgefallen ist: es wird extrem viel geschrien. Das zweite was mir aufgefallen ist: Im Zweifelsfall wird man von den Childcare-Workern einfach ignoriert, kommuniziert wird meist über die Kinder und falls man doch mal angesprochen wird, wird man allgemein als ¨Volunteer¨ bezeichnet.

Das dritte was mir aufgefallen ist: Die Erfahrung mit den Childcare-Workern ist extrem davon abhängig, in welchem Haus man eingeteilt ist und auf welcher Schicht man arbeitet. Es gibt wie überall richtig tolle Leute und Menschen, denen man lieber aus dem Weg gehen würde. 

Ich habe ziemlich Glück, sowohl im Haus der großen Mädchen als auch von der Childcare-Workerin die meistens morgens da ist, wenn ich bei den Kleinen bin, werde ich mit Namen angesprochen und gegrüßt. Wenn man mal in einem anderen Haus ist, ist alles sehr viel anonymer und man fühlt sich oft überflüssig und fehl am Platz.  Schon erstaunlich was für einen Unterschied am Ende selbst kleine Gesten machen können...

Punishment... 

Weckzeit für die Kinder ist um 6 Uhr, allerdings passiert es bei den Kleinsten häufig, dass sie eher wach sind und dann anfangen laut zu sein und aufzustehen- was verboten ist, alle müssen bis 6 Uhr in ihren Betten liegen bleiben. In einer der letzten Nachtschichten wurde es morgens sehr unruhig, weil zwei der Jungs gesungen und erzählt haben und einfach nicht still sein wollten. Deswegen ist dann die Nightshift-Leaderin gekommen, hat die beiden angebrüllt, dass sie gefälligst leise sein sollen und die beiden zur Strafe dazu verdonnert, im Flur zu sitzen und die Wand anzustarren. Nun erinner ich mich dunkel daran, dass zu Schulzeiten auch mal Leute vor die Tür oder in die Ecke mussten, aber eine halbe Stunde lang, bei Temperaturen wo ich trotz zwei Decken und Pulli gefroren habe? Irgendwie escheint mir das wenig sinnvoll...

Auch andere Dinge finde ich gelinde gesagt merkwürdig.  Ich hatte schon mal berichtet, dass wir nicht zusammen mit den Kindern essen, sondern danebensitzen und zusehen. Es ist allerdings nicht so, dass alle Kinder zusammen an einem Tisch sitzen. Zumindest bei den Kleinsten gibt es nach Größe gestaffelte Tische (was man zumindest wenn mehrere Kinder an einem Tisch sitzen vielleicht noch verstehen kann). Aber was ich am Dienstag gesehen habe, fand ich einfach nur traurig: Alle kleinen Jungs saßen zusammen an einem Holztisch auf der einen Seite des Raumes und Dre, der jüngste,  saß alleine an einem Tisch auf der anderen Seite, mit dem Rücken zu den anderen Jungs....

Outdoor Time

Nun ist "gutes Wetter" bekanntlich relativ oder (wie die meisten Lehrer*innen sagen würden): es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung...trotzdem waren die kleinen Kinder heute zum ersten Mal seit Tagen wieder draußen,  da die Sonne geschienen hat. Selbst bewölkter Himmel führt dazu, dass alle drinnenbleiben müssen und dann meist vor dem Fernseher sitzen...

Toy Library

Seit letzter Woche habe ich endlich ein Toy Library-Kind. Das bedeutet, dass man mit diesem Kind mindestens ein mal in der Woche Zeit verbringen soll, mit basteln, spielen, backen, rechnen,  schreiben etc.
Da ich die letzten Tage krank im Bett lag, konnte ich bisher leider noch nichts unternehmen, hoffe aber, dass ich dann nächste Woche endgültig loslegen kann.

Und sonst so?

Gendern? Was macht man eigentlich mit englischen Begriffen, die man ins Deutsche übernimmt? Ist es die Nightshift-Leaderin oder bleibt auch die Frau ein Nightshift-Leader? Und sind es Childcare-Worker oder Childcare-Worker*innen?
(Irgendwie ist es da mit dem Englischen zumindest in diesem Fall doch um einiges unkomplizierter)

Mein einsames Seniorinnen-Dasein hat ein Ende, seit ein paar Tagen arbeitet eine ebenfalls 27-jährige Schweizerin im Kinderheim...

Abschiede...Die meisten der aktuellen Volunteers verlassen nun nach und nach das Kinderheim- es wird zunehmend leerer. Es ist schon komisch, wenn Menschen, die man drei Monate lang so gut wie jeden Tag gesehen hat plötzlich nicht mehr da sind.   Aber ich bin gespannt auf die neuen Volunteers, die wohl vor allem ab August eintrudeln werden.

Sommer? Nee! Winter... Mittlerweile ist der südafrikanische Winter dann doch angekommen, es ist kalt, windig und regnerisch. (Ungefähr so wie der Herbst in Deutschland). Und auch wenn ich nach einem Jahr England was Regen betrifft so einiges gewöhnt bin- wenn man keine Heizung und keine isqolierten Fenster hat, fühlt sich das ganze doch noch ungemütlicher an..
Letzte Woche sah es sogar so aus, als ob es geschneit hätte (Bild 10, ist aber Hagel nicht Schnee)

Bilder, random:
Bild 11 Sonnenuntergang überm Meer an meinem vorerst letzten Strandtage
Bild 12 Minion in Cape Town
Bild 13 Kirche mit Botschaft

Saturday, May 10, 2014

Wahlen in Südafrika

Am Mittwoch fanden in Südafrika die fünften demokratischen Wahlen statt. Es waren die ersten, bei denen die sogenannten ¨free-borns¨ mit abstimmen konnten.

Zusammen mit zwei anderen Volunteers bin ich vormittags zum nächstgelegenen Wahllokal gegangen.

Als erstes ist mir die lange Schlange aufgefallen (Bild 1). Im Gegensatz zu anderen Landesteilen (insbesondere in den Townships), sind es zwar wenige Menschen, aber zumindest ich habe das in Deutschland so noch nicht gesehen. Eine Frau, die gerade gewählt hatte meinte, sie hätte eine Stunde gewartet.

In anderen Landesteilen hat es allerdings noch länger gedauert- was aber zum Teil auch daran lag, dass die Lokale nicht rechtzeitig aufgemacht haben (85 % waren um 7 auf, zwei Stunden später 95 %). Offizielles Ende des Wahlttages war um 21 Uhr, da zu diesem Zeitpunkt aber immer noch viele anstanden, waren viele Lokale bis Mitternacht auf.

An anderen Orten sind im Laufe des Tages die Stimmzettel ausgegangen. Das ist möglich, weil alle Südafrikaner*innen theoretisch in jedem Wahllokal wählen können. An vielen Stellen ist es deswegen zu ¨Wahllokal-Hopping¨ auf der Suche nach der kürzesten Schlange gekommen.

Das erklärt aber auch, warum hier alle einen Tintenfleck auf den Finger/Nagel bekommen- so wird schnell deutlich, wer bereits abgestimmt hat, ohne ein Wähler*innen-Register aktuell halten zu müssen. Twitter war an diesem Tag gefüllt mit Bildern von Händen von Südafrikaner*innen die stolz verkündeten, abgestimmt zu haben.

Zum Wahllokal gefunden haben wir durch einen Wegweiser der DA (Democratic Alliance, größte Oppositionsparte, Bild 2). Die DA war allerdings nicht nur auf dem Weg zum, sondern auch vor dem Wahllokal zu finden- das blaue Zelt auf dem ersten Bild ist ein DA-Stand, fleißige Helfer*innen liefen die ganze Zeit die Schlange auf und ab- in Deutschland undenkbar!

Heute habe ich in der Zeitung gelesen, dass offiziell Wahlkampfaktionen nur bis Mitternacht erlaubt sind, damit scheint man es aber nicht so ernst zunehmen, denn die Mitglieder der Wahlkommission, die auch am Stand waren, haben dagegen nichts unternommen.

Im großen und ganzen sind die Wahlen wohl ruhig verlaufen, auch wenn in der Nacht zuvor in einem Township Zelte der Wahlkommission angezündet und randaliert wurde und im Verlauf des Wahltages von einigen Unregelmäßigkeiten berichtet wurde.

Vor einigen Lokalen  ist es zwar zu Rangeleien zwischen Vertreter*innen konkurrierender Parteien gekommen, es gab aber auch gegenseitige Umarmungen und singende, tanzende und trommelnde Menschen.

Obwohl es im Vorfeld der Wahl einen Skandal um Präsident Zuma und das Verschwenden von Steuergeldern rund um ein Sicherheitsupdate des Präsidentenwohnsitzes gab war klar, dass auch dieses Mal der ANC wieder eine Mehrheit der Stimmen holen würde. Die spannende Frage war, ob er über oder unter 60 % bekommt und wie die DA als zweitgrößte Partei abschneiden würde.

Bei den kleinen Parteien gabe es eine neue Partei, (EFF, Economic Freedom Fighters),gegründet vom ehemaligen Vorsitzenden der ANC-Jugendorganisation, die auf ein paar Prozente hoffen konnte. Ansonsten sind die anderen kleinen Parteien (mittlerweile) zumindest auf nationaler Ebene relativ unbedeutend und können nur wenige Stimmen auf sich vereinen.

Mittlerweile sind die Ergebnisse ausgezählt:

Der ANC hat geringe Verluste erlitten (-3,75 PP), aber über 62% der Stimmen erhalten, die DA hat um mehr als 5 Prozentpunkte zugelegt (ingesamt rund 22 %), die EFF sind mit leicht über 6 % mit weitem Abstand die drittstärkste Partei. Die Parteienlandschaft wird  damit nach wie vor vom ANC dominiert.

In Anbetracht der Skandale und Korruptionsvorfälle von denen man tagtäglich in der Zeitung liest ist das schon erstaunlich, allerdings hat der ANC durch seine Historie und durch Nelson Mandela nach wie vor bei vielen einen hohen Stand. Und auch wenn die Unzufriedenheit mit Zuma bei vielen groß ist, führt das nicht automatisch dazu, dass eine andere Partei gewählt wird- an dieser Stelle wird klar zwischen Person und Partei unterschieden.

Es gab im Vorfeld der Wahlen allerdings eine große Diskussion darüber, ob man den ANC noch wählen kann und soll. So hatten etwa einige (ehemalige) Mitglieder des ANC eine ¨Vote No¨-Kampagne gestartet, die sich explizit nicht als gegen den ANC gerichtet ansah, sondern als Unterstützung für die in den Augen der Initiator*innen zwingend notwendige Erneuerung.

Ansonsten war der Wahlkampf geprägt durch gegenseitige Anschuldigungen, sich nicht ausreichend um die Bevölkerung, neue Häuser, Zugang zu Strom und Wasser und die Schaffung neuer Jobs zu kümmern. Dominiert waren auch diese Debatten vom ANC und der DA.

Die DA hat ihren Wahlkampf zudem sehr auf die Provinz Western Cape konzentriert (¨Keep the Western Cape DA¨), da dies die einzige Provinz ist, die von ihnen und nicht vom ANC regiert wird. Auch wenn der ANC sich siegesgewiss gab, die DA gewann die Provinz mit großem Abstand und verbesserte ihr Ergebnis nochmals. Einige Kommentator*innen wiesen darauf hin, dass dies die erste Wahl ist, bei der immer mehr Menschen bewusst unterschiedlich auf nationaler und provinzialer Ebene abstimmen.

Ich bin gespannt, was in den nächsten Monaten auf politischer Ebene passieren wird, wie die einzelnen Parteien mit den Wahlergebnissen umgehen und wie sich die neue Partei im Parlament machen wird. Zumindest aus politischer Sicht wird es hier mit Sicherheit nicht langweilig!

Monday, May 5, 2014

Nuus!

Nun sind die ersten zwei Monate rum und der letzte Blogeintrag schon eine ganze Weile her...

Ich versuche immer noch, mich damit abzufinden, dass es nicht das Abenteuer und die Herausforderung ist, die habe,sondern eine andere Erfahrung-aber es gelingt mir nicht immer. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal soviel Freizeit und so wenig zu tun hatte. Zwar versuche ich gegenzusteuern- neben Gym sind die ersten Couchsurfing-Requests geschrieben, ich lese mich durch einen Onlinekurs zu Global Poverty und fange bald mit einem zweiten an, aber ich würde gerne auch mehr im Kinderheim machen und habe leider noch keine eigene Idee gefunden, die ich umsetzen kann.

Ansonsten geht es mir aber gut,ich liebe die (meisten) Kinder,verstehe mich gut mit den anderen Volunteers und finde Südafrika an sich wirklich großartig.

Nightshift

Auch im Mai werde ich weiterhin Nightshift arbeiten...

Im April war ich die meiste Zeit bei den kleinen Kindern (Happy Feet) eingeteilt.  Alle paar Stunden müssen Kinder geweckt und auf Toilette gebracht und Windeln gewechselt werden. Ab und zu muss man Kinder beruhigen die Alpträume haben oder schlecht einschlafen können. Morgens wecke ich die Kinder und helfe den Jüngsten beim Anziehen. Auch wenn es ein ganz schönes Durcheinander ist,wenn 13 Kinder gleichzeitig aufstehen/nicht aufstehen wollen,zur Toilette gehen, sich anziehen, ausziehen und hin und herrennen-eigentlich ist das meine Lieblingszeit der Nightshift,weil ich dann alle Kinder wach und zusammen erleben kann.

Während der Nightshift lese ich sehr viel, neben Büchern (Buch Nr.12-I am Malala,auf jeden Fall lesenswert!) auch südafrikanische Zeitungen (meist auf englisch, hin und wieder afrikaans) und die bereits erwähnten wissenschaftlichen Texte.

Das positive an der Nightshift ist allerdings nach wie vor, dass man tagsüber jede Menge Zeit hat, Dinge zu unternehmen:

M'zolis

Das M'zolis ist ein Venue im Township Guguletho (Bild 1). Es ist im Prinzip eine Schlachterei mit angeschlossen Zelt zum Essen,Trinken und feiern.

Um ins Zelt zu gelangen,muss man sich zuerst Essen kaufen. Für mich als Vegetarierin ist die Auswahl einfach, denn das einzige Veggiegericht ist Pap (Maisbrei) mit Chakalaka (Bild 2, links). Trotzdem liebe ich das M'zolis, es ist immer voll mit den unterschiedlichsten Leuten (Einheimische und Touristen bunt gemischt), es gibt Musik, Getrommel, Leute die tanzen, trinken, Spaß haben...ich bin mit Sicherheit nicht um letzten Mal dagewesen.

Allerdings werden wir uns verkneifen,noch einmal am Tag vor einem Feiertag dorthin zu gehen,es war einfach brechend voll-nicht nur drinnen sondern auch auf der Straße (Bild 3) und die anderen mussten ewig auf ihr Fleisch warten (hihi).

Signal Hill

Letzte Woche war ich zusammen mit vier anderen Volunteers (aus Frankreich, Dänemark und Deutschland)auf dem Signal Hill, einer Anhöhe neben dem Tafelberg zu einem  Geburtstagspicknick. Von dort aus hat man wirklich einen wunderschönen Ausblick über Cape Town und auf den Tafelberg (Bild 4).

Lions Head

Ein paar Tage später ging es dann noch ein bisschen höher hinauf auf den "Lions Head". Der 670 m hohe Berg verdankt seinen Namen allerdings der Form, die letzten Löwen wurden dort Anfang des 19.Jh. erschossen...

Der Weg rauf zur Spitze führte für ca. 45 min. über Stock und Stein (Bild 5), unterwegs waren Leitern und Sprossen zu überwinden. Oben angekommen hatte man einen traumhaften Rundblick über Cape Town (Bild 6 und Bild 7, zusammen mit Mathilde.)

Ostern

Am Ostersonntag hatten einige Volunteers eine " Easter Egg Hunt¨ organisiert- ich habe im Vorfeld mitgeholfen, die 111 Osternester zu basteln und auch, die Nester zu verstecken (Bild 8). Es war wirklich lustig, den Kindern beim Suchen zuzusehen und selbst die Älteren haben mit Freude mitgemacht.

Ansonsten habe ich von Ostern nicht so viel mitbekommen, außer das man hier Massen von mit Schokolade überzogenen Marshmellow-Eiern isst. Gefärbte Eier scheinen nicht üblich zu sein, zumindest wussten die Kinder damit nicht viel anzufangen (außer sich damit zu beschmeißen).

Township

Das Kinderheim hat eine Kooperation mit einem Township-Projekt. Letzte Woche bin ich das erste Mal mitgefahren.

Das Township Klipheuwel (Bild 9)  liegt nur ca. 15 km von Durbanville entfernt, aber es kommt einem vor als ob man sich in einer anderen Welt befindet. Zwar bin ich schon ein paar Mal an Townships vorbeigefahren, aber noch nie ist mir der Kontrast von arm und reich von Luxus und Elend so direkt begegnet.

Grundsätzlich ist es schockierend zu sehen, wie krass Südafrika immer noch von Gegensätzen und Trennung geprägt ist. Oft kommt es mir so vor, als würden Weiße, Coloureds und Schwarze neben- und nicht miteinander existieren. Sicherlich wird der Eindruck aber auch dadurch verstärkt, dass Durbanville sehr weiß geprägt ist. Wenn man hier in eine Bar oder ein Restaurant geht, sind die Gäste in der Regel weiß- und die einzigen Schwarzen die Angestellten. "Gemischte" Gruppen sieht man selten.

(Falls jemamd über die Begrifflichkeiten stolpert:habe das jetzt einfach mal so übernommen, wie es hier auch genutzt wird)

Im Township haben die Jungs Fußball gespielt (Bild 10)- wer einmal dort war, wird sich vermutlich nicht mehr so schnell über die Rasenqualität eines deutschen Fußballplatzes beschweren. Ich habe eine Weile lang zugeguckt und dann mit zwei Mädchen fern gesehen.

Kapstadt

Heute bin ich alleine in Kapstadt gewesen, um einen historischen Rundgang entlang der Waterfront zu machen- ich genieße es auf jeden Fall, dass Kapstadt so nah und zur Not auch ohne Auto zu erreichen ist. Für die kälteren Tage habe ich mir vorgenommen,  die zahlreichen Museen in Kapstadt zu besuchen..

Und sonst so?

Mein Fitnesstrainer meint: "Hitler was a great statesman" (...)

Am 1.Mai habe ich das erste Mal wirklich Heimweh gehabt,nach Menschen, Politik und Kreuzberg...

Ich gucke beim Straße überqueren schon häufiger zuerst rechts als links..

Für eine Fleischesser-Nation gibt es hier eine erstaunlich gute Auswahl an Veggi-Produkten.

Es wird kalt! Möglicherweise hält der Winter nun doch Einzug..

Soweit erst mal...lasst es euch gutgehen!  Und genießt den langsam heranrollenden deutschen Sommer :)

Sarah