Friday, December 13, 2013

Mein Projekt steht!

Nach langer Wartezeit steht nun endlich meine Projektplazierung: Ich werde im Kinderheim in Durbanville arbeiten.

In den letzten Wochen und Monaten habe ich versucht, so wenig wie möglich Vorstellungen davon zu entwickeln, was ich in Südafrika machen könnte und wo ich am liebsten hin würde, um möglichen Enttäuschungen vorzubeugen. Auch auf dem Vorbereitungsseminar haben wir darüber gesprochen, dass es wichtig ist, offen an die Projektplazierung heranzugehen. Trotzdem war ich zunächst vor allen Dingen eins: wahnsinnig enttäuscht.

Das Projekt an sich finde ich zwar ok, denn auch wenn es auf den ersten Blick nicht wahnsinnig spannend erscheint, kann ich mir vorstellen, dass es eine vielseitige Tätigkeit wird und mir die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sehr viel Spaß machen wird.

Allerdings werde ich wohl im Projekt selber und nicht in einer Gastfamilie untergebracht sein. Wurde auf dem Auswahlwochenende noch betont, wie wichtig AFS die Unterbringung in Famillien findet, wurde in der Vorbereitungswoche ganz nebenbei erwähnt, dass in Südafrika nur ca. 50 Prozent der Freiwilligen in einer Gastfamile untergebracht sind. Ich finde das wahnsinnig schade, da ich total gerne in einer Gastfamilie gewesen wäre und das auch einer der Gründe war, warum ich mich bei AFS beworben habe. Mit anderen Freiwilligen zusammenzuwohnen bedeutet automatisch, dass man weniger Kontakt mit Einheimischen haben wird, dass man einen weniger tiefen Einblick in die Kultur bekommt und im Zweifelsfall mit Menschen zusammenkommt, die das Land auch nicht besser kennen, als man selbst.

Dass eine andere deutsche AFS-Freiwillige ebenfalls  im Projekt arbeiten wird,finde ich auch nicht wirklich toll. Andererseits wird es auch viel an einem selber liegen, sich trotzdem voll auf das Projekt, eine neue Sprache und neue Menschen einzulassen und nicht nur mit "Landsleuten" zusammen zu sein.

Trotzdem hat schon mein Englandaufenthalt in einer Community mit sehr vielen internationalen Freiwilligen dazu geführt, dass ich am Ende wenig Kontakt zur lokalen Bevölkerung, Sprache und Gewohnheiten hatte- ich hoffe sehr, dass es in Südafrika nicht so wird.

Was mir allerdings gut gefällt, ist der Ort des Projektes. Durbanville ist ein Vorort von Kapstadt, in der Provinz "Western Cape". Ich bin also weder mitten in der Stadt noch am Ende der Welt. Die Einwohnerzahl liegt bei ca.54.000, die am meisten gesprochenen Sprachen sind Englisch und Afrikaans. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, mit Hilfe meiner Niederländischkenntnisse zumindest ein bisschen Afrikaans zu lernen.

Im großen und ganzen hoffe ich, dass meine momentane Enttäuschung bald wieder durch meine Vorfreude überdeckt wird. Denn am Ende werden alle Projekte, Orte und Unterkünfte ihre Vor- und Nachteile haben und bevor ich tatsächlich vor Ort bin, ist eigentlich auch müßig, sich über Dinge zu ärgern, die noch gar nicht Realität sind.

(Zur ersten Vorbereitungswoche hoffentlich am Wochenende mehr)

Tuesday, December 3, 2013

Update

Da der letzte Eintrag schon eine ganze Weile zurückliegt, hier endlich ein kurzes Update:

Meine Ausreise hat sich verschoben:

Los geht es nun nicht mehr im Februar, sondern erst Anfang März 2014. Zurück komme ich dann Mitte Februar 2015.

Mein Projekt:

Ich weiß leider immer noch nicht, in welchem Projekt ich arbeiten und wo in Südafrika ich leben werde. Allerdings hat die Organisation angekündigt, dass die Einladungsbriefe von AFS Südafrika bis Ende der Woche bei ihnen ankommen, dann werde ich hoffentlich mehr wissen.

Visum:

In den letzten Wochen habe ich viel Zeit damit verbracht, alle benötigten Unterlagen für mein Visum zusammenzubekommen- einfach unglaublich, was man da alles braucht!

Internationale Geburtsurkunde, polizeiliches Führeungszeugnis, Attest vom Arzt, einen radioloischen Bericht zur Lunge der ausschliesst, dass man Tuberkulose hat, Kontoauszüge, biometrisches Passfoto, Erklärungen der Eltern, dass man an einem Freiwilligendienst teilnehmen darf und sie einen finanziell unterstützen werden.

Falls jemand über den letzten Punkt gestolpert ist, weil ich bekannterweise seit Jahren nicht mehr zu Hause und in einem eigenen Haushalt lebe- ich habe mich auch gewundert, extra noch mal nachgefragt, aber mich am Ende den - wenn auch für mich äußerst absurden- Regeln gebeugt. Nicht auszudenken allerdings was passiert wäre, hätten mir meine Eltern die Erlaubnis verweigert, hätte ich dann hier bleiben müssen?

Impfungen:

Nachdem ich unzählige Infoseiten, Foren und Impfkalender durchforstet hatte und meine Verwirrung ins Unermessliche gestiegen war, habe ich kapituliert und bin zu einer Reise- und Impfberatung gegangen.Dort wurde mein bestehender Impfschutz geprüft und empfohlene Impfungen für Südafrika durchgesprochen.

Neben der Auffrischung von Impfungen müssen nun auch Impfungen nachgeholt werden, die in Deutschland empfohlen sind. Hinzu kommen Reise-Impfungen wie Typhus, Cholera oder Tollwut.

Vorbereitungsseminare:

Ende der Woche findet endlich das erste Vorbereitungsseminar in Marburg statt. Es dauert fünf Tage und wird sich mit den Themen Nachhaltigkeit und Sozialer Verantwortung beschäftigen.

Um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten, wird es nur vegetarisches Essen geben. Wer gerne Fleisch essen will, muss sich extra zurückmelden, um als Nicht-Vegetarier vermerkt zu werden. Diese Opt-Out-Option, die sonst für Vegetarier*innen und Veganer*innen besteht, einmal umzudrehen, finde ich richtig gut.

Außerdem sollen wir eine Trinkflasche mitbringen, um uns während des Seminars mit Leitungswasser versorgen zu können. Auch das ein Schritt, der eigentlich viel normaler sein müsste, schließlich hat Leitungswasser in Deutschland eine gute Qualität. Trotzdem hatte ich erst gestern eine Couchsurferin bei mir, die sich  geweigert hat, Wasser aus der Leitung zu trinken und lieber kalten Rest-Kaffee vom Frühstück zu sich nahm...

Mitbringen sollen wir zudem noch ein kleines Geschenk im Wert von ein paar Euro, von dem wir denken, dass es einem anderen Freiwilligen während seines Jahres nützlich sein könnte. Ob sich das mit der oben beschworenen Nachhaltigkeit verträgt, bleibt abzuwarten. Ich hege die Befürchtung, dass jede Menge Leute irgendwelchen billigen Schrott kaufen, den andere weder brauchen noch mitnehmen und der im Zweifelsfall im Müll landet.





Monday, September 16, 2013

Wohin geht die Reise eigentlich genau?

Wenn ich mich mit Leuten darüber unterhalte, dass ich bald auf dem Weg nach Südafrika bin, fallen immer wieder die gleichen Fragen: Wohin geht es denn genau, und was machst du da eigentlich?

Gerne würde ich bei dieser Gelegenheit über das tolle Projekt berichten, in dem ich bald arbeiten werde, über den Landesteil, in dem ich leben werde und über die Gastfamilie, die mich bei sich aufnehmen wird. Allein- ich kann es nicht. Denn auch jetzt, mehrere Monate nach der Platzzusage, weiß ich nach wie vor nicht, wohin genau die Reise geht.

Laut AFS kann es bis einige Wochen vor der Ausreise dauern, bis man genau erfährt, welches Projekt, welcher Ort und welche Gastfamilie einen elf Monate lang begleiten werden.

Natürlich bin ich nach wie vor gespannt darauf, wohin die Reise geht- ein kleines bisschen ungeduldig werde ich allerdings mittlerweile auch. Schließlich ist Südafrika ein großes, ein sehr diverses Land und es wird einen Unterschied machen, ob es mich aufs Land oder in die Stadt, in den einen oder in den anderen Landesteil verschlägt.

Auch auf meine Vorbereitung wirkt sich die Unwissenheit aus, denn auch wenn man sich auf ein Auslandsjahr niemals umfassend vorbereiten kann und Überraschungen nicht ausbleiben werden: Je mehr man weiß, umso mehr kann man sich informieren, austauschen und vorbereiten.

So bleibt für`s erste weiterhin eine große Ungewissheit darauf, was kommen wird...


Thursday, September 5, 2013

Mein Spendenbrief

Wie so vieles im Leben ist auch das Weltwärts-Programm nicht umsonst zu haben- es fallen Kosten an für Versicherungen, Flüge, Vor- und Nachbereitungsseminare etc. Da das Programm staatlich gefördert ist, werden 3/4 der Kosten übernommen- für den Rest müssen die Freiwilligen selbst aufkommen. Dies soll durch den Aufbau eines Förderkreises geschehen. Dabei werden zwei Gedanken miteinander verknüpft: das Werben um finanzielle Stützung einerseits und das Bewerben des Weltwärts-Programmes und der Organisation andererseits.

Vor allen Dingen der letzte Grund hat mich dazu bewogen, nun doch auch aktiv um Spenden zu werben- ich hoffe dabei nicht nur, zahlreiche Unterstützer*innen zu finden, sondern auch, mit dem ein oder anderen in Austausch zu treten über das Programm, seine Ziele, meine Pläne...

Denn eines ist mir ganz wichtig: Unterstützung ist vielfältig und muss überhaupt nichts mit Geld zu tun haben. Auch die vielen bestärkenden Worte, die zahlreichen Tipps und Erfahrungsberichte die mich bisher erreicht haben tun unglaublich gut.

Da ich (vor allem aus Zeitgründen) leider nicht allen Bekannten und Freund*innen persönlich Briefe schicken kann- hier nun auch noch mal mein Spendenbrief in der Online-Version:


Ihr Lieben,

schon lange träume ich davon, einmal für längere Zeit ins südliche Afrika zu reisen. Nun ist es endlich soweit: Ab Mitte Februar werde ich für 11 Monate nach Südafrika gehen.

In den letzten Jahren habe ich mich ehrenamtlich beim Weltfriedensdienst e.V., einer entwicklungspolitischen NGO (Nichtregierungsorganisation) engagiert. Zusammen mit anderen habe ich Workshops und Unterrichtseinheiten zu entwicklungspolitischen Themen wie Globalisierung, Armut, Ernährungssicherheit etc. geplant und durchgeführt.

Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es war schön zu sehen, wie sehr sie sich für ein Thema begeistern können, wenn man sie ernst nimmt und sie sich selbst Gedanken zu einem Thema machen dürfen.

Allerdings ist mir auch immer wieder aufgefallen, dass ich bei dieser Arbeit an Grenzen stoße, da alle Informationen aus zweiter Hand waren, da ich selber nie für einen längeren Zeitraum in einem sogenannten „Entwicklungs- oder Schwellenland“ war.

Ich denke, dass erst das Leben und Arbeiten in einem anderen Land einen tieferen Einblick in und ein besseres Verständnis für die dort vorherrschende Situation gibt. Sicher, man kann sich vieles anlesen und ansehen, aber eigene Erfahrungen lassen sich dadurch nicht ersetzen. Dies habe ich auch ganz deutlich gemerkt, als ich nach der Schule für ein Jahr in England war. Die Erfahrungen die man macht, sind unglaublich prägend und bereichernd für das weitere Leben.

Deswegen habe ich mich Anfang des Jahres bei verschiedenen Organisationen beworben, die Freiwillige ins Ausland entsenden, unter anderem bei AFS (American Field Service).

AFS ist eine gemeinnützige Organisation, die in den Anfängen (kurz nach dem 2.Weltkrieg) damit begann, ein Jugendaustauschprogramm zwischen Deutschland und Amerika zu organisieren. Mittlerweile ist AFS in vielen verschiedenen Ländern aktiv und bietet neben SchülerInnenaustauschen auch verschiedene Freiwilligenprogramme an.

Einer dieser Freiwilligendienste ist Weltwärts. Das Programm wurde 2008 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen und soll zur interkulturellen Verständigung und dem Austausch von Erfahrungen beitragen.

Für einen Weltwärts-Freiwilligendienst muss man sich bei einer Organisation bewerben. Nach schriftlicher Bewerbung und einem Auswahlwochenende bekommt man dann Bescheid, ob man in das Programm aufgenommen wurde. Ich persönlich freue mich riesig, dass es geklappt hat und ich nun nicht nur in ein spannendes neues Land reisen kann, sondern zudem noch in ein Förderprogramm aufgenommen wurde.

Durch Weltwärts werden ¾ der Kosten des Freiwilligenprogrammes (Flüge, Versicherung, Unterkunft...) getragen. Damit die Organisation die entstehenden Kosten des Freiwilligendienstes vollständig decken kann, ist sie neben der staatlichen Förderung jedoch auf Spenden angewiesen. Zukünftige Freiwillige werden deshalb gebeten, einen Förderkreis aufzubauen, bei dem sie das Projekt und die Organisation bekannt machen und um finanzielle Unterstützung werben.

Genau an dieser Stelle kommt Ihr ins Spiel:

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr die Arbeit der Organisation und meinen Freiwilligendienst durch eine Spende unterstützen würdet.

Ihr würdet nicht nur mich sehr glücklich machen, sondern auch einen Beitrag zur Völkerverständigung und interkulturellem Austausch leisten und eine Organisation unterstützen, die sich ihrerseits seit vielen Jahren für diese Ziele einsetzt.

Selbstverständlich könnt Ihr bei Bedarf auch eine Spendenbescheinigung erhalten. Diese wird Anfang des nächsten Jahres von AFS versendet.

Spenden bitte auf folgendes Konto überweisen:

Kontoinhaber: Sarah Jermutus
Kontonummer: 5637194
BLZ: 200 411 55
Vewendungszweck: Spende AFS

Auch wenn Ihr mich finanziell nicht unterstützt, freue ich mich natürlich trotzdem über jede Form von ideeller Unterstützung, darüber, dass Ihr mir für die Zukunft alles Gute wünscht und dass Ihr mich nicht vergesst, während ich in Südafrika bin.

Vieles mehr zu meiner Motivation, meinem Bewerbungsverfahren und in Zukunft zu meinen Erlebnissen in Südafrikawerdet ihr nach und nach auch auf meinem Blog finden.

Mehr Informationen zu AFS und Weltwärts findet Ihr auch im Internet: http://www.afs.de/ und http://www.weltwaerts.de/.

Bei Rückfragen meldet euch gerne bei mir, am besten per Mail: s.jermutus@gmail.com

Liebe Grüße :)

Sarah 

Tuesday, August 6, 2013

Das Auswahlwochendene (Teil 2)

Neben den verschiedenen Programmpunkten, die alle Teilnehmer*innen zusammen absolvierten, fanden am ersten Tag auch die Auswahlgespräche statt. Jeweils zwei Teilnehmer*innen waren im Gespräch mit zwei Teamer*innen aufgefordert, ihre Motivation darzulegen und Fragen zu beantworten.

Nirgendwo sonst an diesem Wochenende stand man selbst so sehr im Mittelpunkt und hatte so sehr das Gefühl, sich unbedingt beweisen zu müssen. Dementsprechend nervös waren die meisten vor den Gesprächen. Da ich relativ gegen Ende der Gespräche an der Reihe war, steigerte sich auch bei mir die Nervösität ins Unermessliche.

Am Ende war es aber so, wie alle gesagt hatten: sehr entspannt und überhaupt nicht schlimm. So wurde ich etwa gefragt, warum ich ausgerechnet an einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst teilnehmen will.
Auch mein Alter kam zur Sprache: Ob es nicht vielleicht schwer für mich werden würde, mich wieder in eine Famlienstruktur einfügen zu müssen, nachdem ich schon lange selbständig und unabhängig gelebt habe? In der Tat habe ich darüber im Vorfeld nachgedacht. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es keine bessere Möglichkeit gibt, ein Land, seine Menschen und die Kultur kennenzulernen, als in einer einheimischen Familie untergebracht zu sein. Nicht zuletzt deshalb hatte ich mich bei AFS beworben und ich bin durchaus bereit, dafür auch einen Teil meiner jetzigen Freiheiten zeitweise aufzugeben.

Auch bei diesem Gespräch war man wieder aufgefordert, sich in mögliche Konfliktsituationen hineinzuversetzen: Was macht man, wenn einen neue Bekannte nach Geld fragen? Wie verhält man sich, wenn die Familie einem den Umgang mit einem bestimmten Teil der Bevölkerung verbietet? Was macht man, wenn man Regeln vorgesetzt bekommt, die man selber als falsch empfindet?

Eines ist ganz klar: Konflikte werden in einer Gastfamilie genauso entstehen, wie in einer "richtigen" Familie auch. Als jemand der aus einer Familie mit drei kleinen Geschwistern kommt, mit WG-Erfahrung und mit meinen Erlebnissen aus Camphill sehe ich mich aber eigentlich gut gewappnet. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass ich im Großen und Ganzen eine nette, offene und verständnisvolle Gastfamilie haben werde.


Wednesday, July 10, 2013

Das Auswahlwochende (Teil 1)

Das Auswahlwochende von AFS (American Field Service) fand für 1 1/2 Tage in Magdeburg statt.

Nachdem sich alle gesammelt hatten fiel mir vor allen Dingen eines auf: ich war hier die absolute Oma. Ein, zwei Menschen vielleicht noch in meinem Alter, ansonsten Abiturient*innen und Bachlor-Absolvent*innen.

Erstaunlicherweise spielten die Altersunterschiede an diesem Wochenende keine Rolle. Man merkte, dass alle der Wunsch verband, für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen und eine neue Kultur kennenzulernen.

Am interessantesten war für mich während des Wochenendes die Auseinandersetzung mit den eigenen moralischen Einstellungen. So sollten wir während einer Übung einzelne Ereignisse (z.B. jemand lässt seinen Hund einschläfern, weil er in ein anderes Land zieht) gewichten von "am wenigsten moralisch verwerflich" zu "moralisch absolut verwerflich". Auf den ersten Blick waren fast alle Dinge furchtbar, so dass man eine sehr lange Zeit mit sich selber rang. Danach sollte man sich dann in Kleingruppen auf eine Reihenfolge einigen- auch das eine Herausforderung. Bei uns spielte vor allen Dinge die Fragen nach der Gleichwertigkeit von Mensch und Tier eine Rolle. Ist es schlimmer, wenn einem Menschen Gewalt angetan wird, als wenn ein kerngesundes Tier grundlos eingeschläfert (in meinen Augen ermordet) wird?

Deutlich würde bei dieser Übung vor allen Dingen eins: Obwohl wir alle aus dem selben Kulturkreis stammen, unterscheiden sich unsere moralischen Vorstellungen, haben wir andere Ansichten darüber, was richtig und was falsch ist.

Logisch, dass dies noch einmal stärker deutlich werden wird, wenn man erst einmal in einem anderen Land, in einer anderen Kultur angekommen ist. An vielen Stellen wird es sicherlich eine Herausforderung sein, wird man an seine Grenzen stoßen und wird man auch nicht umhin kommen, seine eigenen moralischen Vorstellungen zu hinterfragen, in einen neuen Kontext einzubetten und gegebenenfalls zu überdenken.

Ich bin gespannt, was mich in dieser Hinsicht in Südafrika erwarten wird. Welche Ansichten auf die Welt wird meine Gastfamilie haben, wird es uns gelingen, ein Verständnis für die Einstellungen und Ansichten des jeweils anderen zu gewinnen?

Wednesday, July 3, 2013

Das Telefoninterview

Der Vorteil bei dieser Art von zweiter Bewerbungsrunde ist, dass man nicht irgendwo hinfahren muss, sondern sich ganz in Ruhe zu Hause hinsetzen und losquatschen kann.

Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis sind Telefonmuffel natürlich benachteiligt. Überhaupt stellt sich die Frage, ob man durch ein Telefonat einen ähnlich intensiven Eindruck von einem Menschen bekommen kann, wie durch ein reales Treffen. Ich glaube das ehrlich gesagt nicht.

Menschen können im realen Leben ganz anders sein als am Telefon und letztendlich hat man es ja auch beim Freiwilligendienst mit realen Menschen und nicht mit einem Telefonhörer zu tun.

Vor dem Telefonat war ich wahnsinnig aufgeregt- und die Aufregung steigerte sich noch, denn ich musste warten und warten und... rief nach einer halben Stunde bei der Organisation an. Diese entschuldigte sich, wollte direkt bei dem Menschen anrufen, der mit mir reden sollte und meldet sich 10 Minuten später mit dem Versprechen, ich würde bald angerufen.

Das Telefonat an sich war dann ok, ich wurde allerdings während des gesamten Gespräches den Eindruck nicht los, dass der Mensch am anderen Ende eher weniger auf das Telefonat vorbereitet war. Insgesamt blieb am Ende ein wenig professioneller Eindruck der Organisation haften.


Monday, July 1, 2013

Die Suche nach dem Auslandsjahr...

erfordert vor allen Dingen eines: Zeit.

Nicht nur, wenn es darum geht, Entsende-Organisationen zu finden und sich über die verschiedenen Programmarten zu informieren.

Es braucht auch Zeit davor.

Rund ein Jahr, bevor dem Auslandsaufenthalt sollte man anfangen, sich zu bewerben. Für spontane Menschen wie mich, ist das leichter gesagt, als getan. Wer denkt schon an Bewerbungen, wenn er gerade an der Diplomarbeit schreibt, ein Praktikum macht oder im ehrenamtlichen Engagement aufblüht?

Irgendwann hat es dann aber trotzdem geklappt. Tagelang habe ich mich durch die verschiedensten Homepages von Entsendeorganisationen gewühlt und mich am Ende bei zwei Organisationen beworben.

Ähnlich war bei beiden Organisationen, dass man zunächst eine schriftliche Bewerbung mit Motivationsschreiben, Lebenslauf, Sprachkenntnissen und vielem mehr vervollständigen musste. Nach diesem ersten Bewerbungsschritt ging es dann aber ganz unterschiedlich weiter.

Organisation eins: Wer hier die erste, schriftliche Bewerbungsrunde überstanden hat, wird zu einem Telefoninterview eingeladen, welches ca. eine Stunde dauern soll. Danach wird entschieden, ob man von der Organisation angenommen wird.

Organisation zwei (AFS): Wer die erste Runde übersteht, wird zu einem 1 1/2-tägigen Auswahlwochenende eingeladen. Nach dem Auswahlwochenende muss man nochmals einen Präferenzbogen ausfülllen (Welche Länder, welche Programmarten, welche Projektbereiche) und erfährt dann nach einigen Wochen, ob man angenommen wurde.

Bei beiden Organisationen gibt es zudem die Möglichkeit, nicht sofort eine Zu- oder Absage, sondern einen Nachrückplatz zu bekommen. Grundsätzlich sind auch damit die Chancen gar nicht so schlecht, da viele Leute sich bei mehreren Organisationen bewerben und im Zweifelsfall bei doppelten Zusagen auch absagen.

Bei beiden Organisationen überstand ich die erste Runde- ich hatte nun also zwei Dinge vor mir: Ein Telefoninterview und ein Auswahlwochenende.



Sunday, June 30, 2013

The Great Wall of China?






Nein, es geht nicht nach China, es geht nach Südafrika!


Warum dann dieses Bild?

Ganz einfach, die Reise nach China war bisher meine einzige, die mich aus Europa hinaus, in eine völlige andere Kultur geführt hat. Es steht sinnbildlich für meine Sehnsucht, noch einmal längere Zeit ins Ausland zu gehen.

Dass es jetzt endlich geklappt hat, freut mich wahnsinnig.

In den nächsten Wochen möchte ich zunächst ein bisschen von der Bewerbung und der Vorbereitung aufs Auslandsjahr erzählen. Sobald ich in Südafrika bin will ich versuchen, so oft wie möglich hier meine Eindrücke zu schildern und andere an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

Es geht los:

Sarah goes Weltwärts!